Politische Vorweihnachten

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 19. Dezember 2017

Schöne Bescherung. Die Kinder haben diesen Freitag (22. Dezember) schulfrei. Weil Alain Berset zum Weihnachtsmann gewählt wurde und Dominique de Buman im nationalrätlichen Krippenspiel das Glöcklein läuten darf. Oder so. Schön für die Kinder. Schön für die Lehrerinnen und Lehrer. Schön blöd für alle Eltern, die am Freitag arbeiten müssen.

Aber selbst wenn Sie das Glück haben, sowieso zu Hause zu sein, stellt sich die Frage, wie man diesen geschenkten Tag mit seinen Kindern gestalten will. Natürlich können Sie mit Ihrem Nachwuchs noch Lastminute-Shopping machen oder die Andrew-Bond-Mitsingweihnachten rauf und runter hören, aber irgendwie würde das dem politischen Charakter dieses Tages nicht gerecht. Aber nicht verzagen, Moser fragen: Ich hätte da ein paar Vorschläge für ein staatsbürgerliches Eltern-Kind-Ding mit weihnächtlicher Note.

Bringen Sie Ihren Kindern zum Beispiel die «Internationale» bei. Auf der Blockflöte. Zu Ehren von Sozialdemokrat Berset. Damit nach dem Kassenkampf in den Läden unter dem Christbaum noch ein Hauch von Klassenkampf aufkommt. Oder erklären Sie Ihren Kindern die AHV und den Generationenvertrag anhand der Weihnachtsguetsli. «So, Lisa, du gibst mir jetzt drei von deinen sechs Spitzbuben ab. Nicht weinen, Lisa, schau, wenn du mal alt bist, bekommst du von deinen Kindern dann auch drei Spitzbuben. Oder zwei. Oder vielleicht auch nur ein beinhartes Brunsli, an dem du dir die Dritten ausbeisst.»

Wenn Sie in den Supermarkt müssen, kaufen Sie an der Kasse ein Chrüschelsäckli und sagen: «Dank Dominique de Buman kosten diese Säckli fünf Rappen, und auch wenn das wenig ist, verzichten die Leute jetzt darauf.» Und Ihre Kinder werden vom guten Gefühl durchströmt, dass sich in der Politik ganz Grosses erreichen lässt.

Oder stellen Sie mit den Krippenfiguren die Familien- und Flüchtlingspolitik der verschiedenen Parteien nach. Denn, ja, Jesus musste mit seiner Familie vor einem blutrünstigen Despoten fliehen, und ja, er war schon als Baby in einer Krippe.

Wenn Ihnen das zu heikel ist, backen Sie guteidgenössische Konkordanzkekse. Von allen Zutaten ein bisschen, um es allen recht zu machen, lange kneten und noch länger backen, bis die Kekse niemandem mehr schmecken – und sie trotzdem alle schlucken.

Müssen Sie trotz allem eine kostenpflichtige Betreuung für Ihre Kinder organisieren, dann schicken Sie die Rechnung doch einfach an Bundesrat Berset, Nationalrat de Buman, Erziehungsdirektor Siggen oder den Weihnachtsmann.

Vielleicht passiert ja ein Weihnachtswunder.

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