«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 3. November 2026
Auf Englisch verkauft sich gleich alles besser. Oder glauben Sie ernsthaft, die Leute würden am Zürcher Hauptbahnhof für eine Schale Haferbrei mit Zimt sieben Franken hinblättern? No way. Aber für eine Porridge-Cinnamon Bowl als Teil der GutHealth-Routine – ein Schnäppchen, sorry, ein Bargain. Overnight Oats tönt auch gleich tausend Mal sexyer als labbrige Haferflöckli, darum sind sie ja auch bei jungen Menschen der hot shit (was zugegebenermassen appetitlicher klingt als warmer Stuhlgang). Und sie passen on top zum Meal Prepping, also zum Vorkochen, was für unsere Grossmütter selbstverständlich war, heute aber Granny Maxxing heisst.
Wie ich darauf komme? Neulich vergass ich, bei unserer Kaffeemaschine neuen Kaffee ins Sieb zu füllen, und brühte einen Kaffee mit bereits gebrauchtem Kaffeepulver. Schmeckte scheusslich. Aber gleich hatte ich eine Business-Idee: Könnte man die Plörre nicht in Zürcher Szenebeizen für neun Franken die abgestandene Tasse verkaufen? Als Second Brew statt seichter Brühe? Geschmacklich irgendwo zwischen Overnight Coffee und Granny’s Incarom. Dazu ein Schild «Limited Edition» und schon stehen die Leute Schlange. Der Barista ist kein Schussel mehr, sondern ein visionärer Coffee Upcycler. Den Gast zweimal gemolken, hätte mein Grosi dazu gesagt. Auch wenn’s für den Second Brew nur Plant-based Milk gibt.
Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen englische Begriffe. Ich schreibe diese Kolumne auf meinem Laptop (nicht meinem Klapprechner) und ich telefoniere nicht mit einem intelligenten Mobiltelefon, sondern mit meinem Handy. Aber ich stutze jedes Mal, wenn ein Unternehmen per Stelleninserat einen Brand Manager sucht. Ist für Brandherde und Herdbrände nicht die Feuerwehr zuständig? Wieso kann man nicht einfach «Marke» sagen statt Brand? Oder heisst ein Feuer jetzt neudeutsch Brand Experience?
Vielleicht bin ich einfach oldfashioned und müsste dringend an meinem Personal Branding arbeiten. Wie wär’s, wenn ich mich ab sofort nicht mehr Kolumnenschreiber nenne, sondern Funny Content Creator? Oder noch besser: Senior Funny Content Creator, immerhin mache ich das schon seit 13 Jahren. Wie mein Grosi selig dazu sagen würde? Wahrscheinlich Witzbold. Oder Kindskopf. Wobei selbst das auf Englisch gleich viel professioneller rüberkommt. Head of Jokes. Oder doch lieber Chief Childishness Officer? Mein Grosi hätte sicher eine Nacht darüber geschlafen. Ich glaub, ich mach also nichts falsch mit einem Overnight-Thought.
Bild generiert mit ChatGPT
