Geile Grillen

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 27. Mai 2020

Bitte bestätigen Sie vor dem Weiterlesen, dass Sie älter als 18 Jahre sind.

Jetzt stridulieren sie wieder, die Grillen im Garten. Und wenn Sie bei Stridulation an eine abartige Sexualpraktik denken, dann liegen Sie nicht völlig falsch. Stridulation ist der Fachausdruck fürs Zirpen der männlichen Grillen, also der Grilleriche, und natürlich musizieren die nicht einfach aus lauter Lust an der Freude, sondern weil sie nur eines im Kopf haben: Sex. Das Stridulieren dient dazu, Weibchen zu betören – und andere Männchen zu vertreiben, die einem die Weibchen streitig machen könnten. Weiterlesen

«Home Holidaying»

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 16. April 2020

Ach, wie schön ist Griechenland. Gerade jetzt im Frühling. Sich berauschen am süssen Duft des Hibiskus. Und erst all die Scherben der Antike, Pardon, das Erbe der Antike. Hochkultur zum Niederknien. Wir waren gerade dort, Sonne pur, niemand da ausser uns. Wunderbar. Nur das Essen war katastrophal. Gleich in unserem Hotel gab es eine kleine Taverne, also ein Tavernchen, so klein war die, eigentlich nur eine offene Küche und ein einzelner, langer Holztisch. Eine Speisekarte gab es nicht. «Ich koche für euch, was ich grad habe», sagte der Wirt. Das klang wie das Versprechen eines dionysischen Festmahles. Aber am Schluss schmeckte es, als hätte ich es gekocht. Weiterlesen

Wenn das alles vorüber ist

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 2. April 2020

Jetzt bereue ich es, keinen Hamster gekauft zu haben. Aber als alle anderen ihre Hamsterkäufe erledigten, habe ich nur den Kopf geschüttelt. Ich meine, wozu Hamster? Die Viecher taugen doch gar nicht als Notvorrat. Die muss man erst füttern, bevor man sie futtern kann. Und selbst bei kühler und trockener Lagerung halten die nicht ewig. Aber jetzt hätte ich schon schampar gerne so einen Hamster. Nicht als Sonntagsbraten, nein, um einfach wieder mal jemandem Wildfremden trotz Social Distancing herzhaft und gefahrlos die Pfote drücken zu können. Aber jetzt kriegt man Hamster nur noch schwarz im Internet, und das sind auch bloss aufgeföhnte Hausmäuse. Also Obacht. Weiterlesen

«Es gilt: In die Armbeuge lachen!»

«Humor schafft Distanz.» (Bild Aldo Ellena/Freiburger Nachrichten)

Scherze in Corona-Zeiten, geht das? Das wollten die «Freiburger Nachrichten» anlässlich des 1. Aprils von mir wissen. Das Interview gibt es hier zum Nachlesen.

Die Problemzone bin ich

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 20. Februar 2020

Mein Körper hat keine Problemzonen, nein, mein Körper ist eine einzige Problemzone. Ja, was sag ich, eine Krisenregion, ein leibhaftiges Konfliktgebiet. Und an manchen Stellen herrscht schon offener Krieg. Auf meinem Kopf zum Beispiel, wo die Kopfhaut seit Jahren kategorisch einen Platz an der Sonne für sich fordert und nicht davor zurückschreckt, die Kopfhaare mit der Wurzel auszurotten, um diesem schä(n)dlichen Ziel näher zu kommen. Ein Follikelmord, eine genetische Säuberung. Und kein Blauhelm weit und breit. Weiterlesen

Glötzi

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 28. Januar 2020

Natürlich hätte ich meine Kinder anlügen können, als sie neulich in unserem Gefrierschrank eine Gletschermumie entdeckten. «Das ist keine Gletschermumie», hätte ich sie zum Beispiel beruhigen können, «das ist Tante Friedas legendärer Hackbraten.» Aber solche Sätze kommen mir natürlich immer erst hinterher in den Sinn, und ausserdem lag da kein Hackbraten, sondern eine Gletschermumie, erstaunlich klein zwar, aber gut erhalten und mit der typischen bräunlichen Färbung. Begraben unter den nicht geschleckten Raketen des letzten Sommers, starrte sie mich aus dunklen Knopfaugen an, die mir unheimlich vertraut vorkamen. An der rechten Hand der Mumie klebte das letzte Vanille-Cornet, auf das es meine Grosse eigentlich abgesehen hatte. Weiterlesen

Darf ich bitten?

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 17. Januar 2020

Tanzen müsste man können. Wenn einen die Dentalhygienikerin das nächste Mal mit ihren Marterwerkzeugen quält und dann scheinheilig fragt, ob es wehtue, nicht einfach «Esch geht» nuscheln, sondern eine feurige sizilianische Tarantella auf den Behandlungsstuhl zappeln, dass der guten Frau für den Rest des Lebens die Lust und der Mumm vergehen, fremden Leuten im Maul herumzustochern. Weiterlesen …

Save the date

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 27. November 2019

Haben Sie am 12.  Dezember 2020 schon was vor? Nicht? Save the date. Reservieren Sie das Datum, am besten jetzt gleich, denn Sie wissen ja, Daten sind Fluchttiere, fixiert man sie nicht rechtzeitig mit der Zwangsjacke des Terminkalenders, entschwinden Sie schneller als die gute Laune von Beat Vonlanthen am Wahlsonntag. Darum: Save the date. Weiterlesen

Running Gag

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 18. November 2019

Als Jogger bin ich eine Witzfigur, ein Running Gag, eine Schnecke in Lycra-Leggins. Überhaupt habe ich nur mit dem Laufen begonnen, weil im Internet stand, über 45 solle man zuerst zum Arzt, bevor man mit dem Joggen anfange, und da dachte ich mir: Fang lieber vorher an. Denn zum Arzt ist nie gut; immer teuer, weil der ja sein ganzes Hightech-Equipment amortisieren muss – Rolex, Jacht und Golfschläger. Und am Schluss sagt er Sätze wie: «Sie haben noch 40 Jahre zu leben. Mindestens. Aber es wird kein schönes Alter werden.» Weiterlesen

Total vermöbelt

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 13. November 2019

Mein Schrank ist echt beschränkt. Neulich vermöbelte er mein Bett, nur weil es gesagt hatte, er habe nichts auf dem Kasten. Der Schrank natürlich gleich bis auf den Pressspan beleidigt. «Möbel, hau’s», schrie er, «sonst breche ich dir jedes einzelne Lättli. Und dann ist fertig Happy Bett.» Das Bett dachte gar nicht dran abzuhauen, ist ja kein Reisebett. Der Schrank, total furniert, mit Karacho aufs Bett. «Unter den Tablaren der Staub von tausend Jahren», begann in diesem Moment der Perserteppich zu skandieren, ein Alt-68er, der weiss, wie es ist, mit Füssen getreten zu werden, und sich darum mit allen Unterdrückten solidarisiert. Weiterlesen