KI-generiertes Bild des Papstes mit verzweifeltem Gesichtsausdruck am Telefon, vor ihm ein Stück Speck.

Späck-Bsteck

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 3. März 2026

Dass der Papst in Spiez das Speck-Besteck zu spät bestellt hat, weiss ich seit meiner Kindheit. Genauso lang habe ich Fragen. Nämlich: Was um Himmelswillen ist ein Speck-Besteck? Wie muss ein Messer geschliffen und eine Gabel gezinkt sein, um gepökeltes Fettgewebe vom Schwein Katechismus-konform zu zerteilen? Braucht es spezielle Spezifikationen für Speckbesteck für Rohess-, Schinken- und Bauchspeck? Oder ist das Spektakuläre am Spiezer Speck-Besteck, dass es ein ökumenisches Allzweck-Speck-Besteck ist? Lassen sich damit vielleicht gar – oh Wunder – beim Dinieren Fischers Fritz frisch gefischte Fische (fingerfertig) filetieren?

Blöd nur, dass der Papst sein Speck-Besteck zu spät bestellt hat. Was die nächste Frage aufwirft. Zu spät wofür? Mit ist jedenfalls kein Kirchenfest bekannt, das den Konsum von Speck vorschreibt. Dafür kennt das Kirchenjahr sehr viele Tage, an denen dem Papst mit der Rapperswiler Rüebliraffel mehr gedient wäre als mit Spiezer Speck-Besteck. Dass der Papst zu spät dran ist, überrascht hingegen nicht wirklich. Die katholische Kirche hinkt der Zeit traditionell hinterher. Darum heisst der Papst auch nicht eiliger Vater.

Wenn der Papst ein später Spiezer-Speck-Besteck-Besteller ist – wie ist es dann sonst um die päpstliche Besteck-Schublade bestellt? Hat der Papst schon einen Sittener Salamisäbel aus Sterlingsilber? Nennt er einen Schaffhauser Schinkenschneider sein Eigen? Und zuzelt er seine Wurst mit der Zürcher Zweiwangenzwickzange (Modell Zwingli)? Apropos: Darf der Papst überhaupt mit einem reformierten Besteck essen? Oder ist die Kurie in Sachen Kulinarik weniger päpstlich als der Papst?

Was mich zur nächsten Frage bringt: Bestellt der Papst sein Besteck für Specke und andere Zwecke tatsächlich selbst? Statt Enzykliken schreiben mit Entzücken spätabends auf Speck-Besteck-Schnäppchenjagd im Spiezer-Speck-Besteck-Shop («Chouf dys Späck-Bsteck, bevor de Papscht sys bstäut»). Hat der Heilige Vater am Ende gar aus Versehen sein Spiezer Speck-Besteck bei Temu bestellt? Und mit Schrecken feststellen müssen, dass das scheinbar aus Spiez spedierte Speck-Besteck in Tat und Wahrheit schampar schlampig geschmiedeter China-Schrott ist und so gut schneidet wie ein toter Hund beisst? Späck-Bsteck-Bschiss! Aber uns lässt er glauben, er habe das Spiezer Speck-Besteck zu spät bestellt. Um nicht zugeben zu müssen, dass er eben doch nicht unfehlbar ist.

Wir werden es wohl nie erfahren. Klar ist nur eines: Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid. Und selten ess ich Essig – ess ich Essig, ess ich Essig mit Salat.

Bild generiert mit ChatGPT

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