«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 7. April 2026
Meine Frau liebt alte Western-Serien, ich steh auf U-Boot-Filme. Sie ist fasziniert von den Weiten der amerikanischen Prärie, ich von der klaustrophobischen Enge eines U-Boots im Nordatlantik. Bei ihr machts «päng» (die Pistolen), bei mir machts «ping» (das Sonar). Manchmal kommt es zu einem regelrechten Tischtennisturnier, bis wir uns auf einen Film einigen: Ping? Päng? Ping! Päng! Ping!! Päng!!
Eigentlich müsste uns Boxen gefallen. Auch dort schwitzen Männer und schweigen. Männerschweiss und Männerschweigen sind die kleinsten gemeinsamen Nenner von Western und U-Boot-Filmen. In Western reden Männer nicht. Weil sie Männer sind und glauben, ein schief sitzender Hut sei bereits ein vollständiger Satz. In U-Booten reden Männer auch nicht. Weil sie Männer sind und das Funkgerät pfeift wie ein schlecht geölter Wellensittich mit Tinnitus.
Eine erstaunliche Schnittmenge unserer Filmgeschmäcker sind romantische Komödien. Dort wird zwar viel geredet, auch von Männern. Und doch ist alles da, was wir aus unseren Genres mögen: Zwei einsame Seelen in der Wildnis der Grossstadt. Plötzlich tauchen sie auf dem gegenseitigen Radar auf (ping), verlieben sich Hals über Kopf (päng), und ins Schwitzen kommen sie meist auch.
Romantische Komödien bleiben aber ein Kompromiss. Der perfekte Film für uns wäre eine romantische Westernkomödie an Bord eines U-Boots. Der Plot schreibt sich praktisch von allein: Der abgehalfterte Pferdedieb Perry Scope – der Mann schwitzt schneller als sein Schatten – heuert als Smutje an Bord der USS Bonanza an. Gleich am ersten Tag kollidiert er mit der ehrgeizigen Kapitänin Pandora «Pondy» Rosa. Gegensätzlicher könnten die beiden nicht sein, darum maximale Anziehung (ping, ping). Es folgen witzige Wortduelle auf Tauchrohrtiefe. Und manchmal ist alles gesagt, wenn sie sich wortlos die Kapitansmütze in die Stirne schiebt. Howdy.
Bevor es päng macht, natürlich noch 90 Minuten Action, Abenteuer, Adrenalin. Die USS Bonanza entgeht nur knapp einer Stampede wildgewordener Seekühe, eine whiskyselige Schlägerei zu Schifferklavierklängen, ausserdem Silberminen, Seeminen und fiese Schurkenvisage: Baddie an Bord. High Noon in der Kombüse («Diese Sardinenbüchse ist zu klein für uns beide, Fremder.» – «Und einer von uns riecht schon wie der Inhalt.») Und am Schluss reiten Pondy und Perry auf einem entschärften Torpedo in den Sonnenuntergang. Yippie Aye-aye.
Trash? Unbedingt. Aber ich würde es schauen. Meine Frau wohl auch. Ping-Päng? Ping-Päng.
Bild mit ChatGPT generiert