Alles Starbucks, oder was?

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 19. Juni 2015

Hab nur ich das Gefühl, oder erleben wir gerade, wie alles rasant verstarbuckst wird? Verstarbuckisierung? Sie wissen schon: Alles zu gross, ziemlich teuer und eigentlich völlig überflüssig. Aber dennoch hip, so dass alle meinen, mitmachen zu müssen.

Das ist ja nicht nur beim Kaffee so, also beim Java Chip Frappuccino Blended Beverage im Anderthalb-Liter-Pappbecher. Auch bei den Fernsehgeräten. Deren Bildschirmdiagonale übertrifft ja inzwischen bei weitem den IQ des durchschnittlichen Fernsehguckers. Und die Riesen kosten locker das Doppelte dessen, was so eine Coffee-House-Mitarbeiterin im Monat verdient. Und dennoch wollen alle einen haben. Dabei sind die Dinger so flach, dass die Kinder aus der Kartonverpackung nicht mal ein anständiges Spielhaus basteln können.

Und erst die Autos: Monstertrucks in der Quartierstrasse. Mittelstandspanzer vor der Migros. (Wenn die wenigstens in Kartonschachteln geliefert würden.) Viel zu gross, pervers teuer und total überflüssig. Ein kleines Auto täte es ja auch.

Total verstarbuckst alles. Von den Smartphones ganz zu schweigen. Die sind ja mittlerweile so riesig, dass sie nicht mehr in die Hosentasche passen. Dafür geben sie ein prima Brett vor dem Kopf ab.

Und alles immer «to go». Der Kaffee. Die News. Die neusten Facebook-Posts der Freunde. Alles immer «to go». Weil wir immer unterwegs sind. Auch im Arbeitsleben: Man hat ja keinen Beruf mehr, man macht Projekte. Ein Pult? So was von vorgestern. Heute reichen ein Laptop, ein Sofa im Coffee House und ein Triple Espresso Coke, bitte. Dann wirds auch was mit der Quartalsperformance.

Und auf der Visitenkarte steht irgendwas Aufgeblähtes auf Englisch, bei dem unsere Grosseltern nur Bahnhof verstehen. Und was dabei rauskommt? Alles viel zu gross, zu teuer und völlig überflüssig. Es kochen alle nur mit Wasser. Aber im Schaumschlagen sind wir Weltmeister. Verstarbuckst, durch und durch.

Wenn das so weitergeht, wird künftig ein nett lächelnder Bestattungsstudentenjobber unsere Asche in einen XXL-Pappbecher abfüllen, mit Filzstift den Vornamen des Verstorbenen drauf schreiben und auf dem Becher die Bestattungsmodalitäten ankreuzen: Entkatholisiert, mit einem Shot Buddhismus und Esoterik-Krokant obendrauf.

Die Trauergemeinde fläzt sich derweil in den Sofas der Funeral Lounge. Dann wird die Papp-Urne über den Tresen gereicht und auf dem Weg zum nächsten Termin können die Angehörigen die Asche entsorgen. On the go, was sonst.