Verschwörungspraktiker

Beitrag im «Nebelspalter» vom Juni 2020

Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien. Die hat sowieso alle die Regierung in die Welt gesetzt. Als Ablenkungsmanöver. Ich meine, Chemtrails? Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Regierung mit Flugzeugen über den Wolken Chemikalien versprühen lässt, um uns zu willenlosen Zombies zu machen? Hallo? Homöopathie am Himmel? Das funktioniert noch weniger als mit Kügeli. Das kann sich nur so ein Globulisierungsfuzzi ausgedacht haben, den der Nachrichtendienst direkt ab der Rudolf-Steiner-Schule engagiert hat.

Aber es funktioniert. Alle reden über Chemtrails, aber niemand spricht darüber, wie die Regierung wirklich Macht über unsere Gehirne erlangt: die Abstimmungscouverts! Ist Ihnen beim Zukleben, wenn Sie mit der Zunge über die Lecklasche fahren (die heisst wirklich so!), noch nie aufgefallen, dass der Leim irgendwie seltsam schmeckt? Gälled Sie, ist doch so? Da sind hochaktive psychedelische Sustanzen drin, die gehen direkt ins Hirn – darum heisst es ja auch direkte Demokratie. Neben dem Waschküchenschlüssel die zweitbeste Erfindung, um uns Schweizer zu kontrollieren. Was einmal mehr beweist, dass oben in Bern keine Verschwörungstheoretiker am Werk sind, sondern Verschwörungspraktiker, die ihr Handwerk verstehen. Eidgenössisch diplomierte Verunsicherungsagenten, Lügenschreiner mit Berufsmatura und dual gebildete Faktenspengler (die kennen sich aus mit Dichtung).

Sie glauben mir nicht? Wieso geht es denn in der Schweiz mit dem E-Voting nicht voran, he? Weil man die Computermaus zum Abstimmen nicht abschlecken muss, deshalb!

«G-g-g-g-g-orona»

Und jetzt Corona. Natürlich hat das Virus nichts mit G5 zu tun, ausser man ist ein stotternder St. Galler: «G-g-g-g-g-orona». Unfug ist auch die Theorie, das Virus sei aus einem chinesischen Hochsicherheitslabor entwichen. Es stammt nämlich eindeutig aus einer illegalen Hundemetzgerei aus dem Appenzell-Innerrhodischen. Die Beweislage ist erbrechend. Ich sag nur Gulasch, aber nicht ungarisch, sondern un-gar. Und vom Appenzell aus hat das Virus seinen Siecheszug um die Welt angetreten. Das kommt davon, wenn man auch Entwicklungsländer ans Glasfasernetz anschliesst. Meine Meinung.

Die grosse Frage ist natürlich: Wieso hat Berset nicht schon vor Jahren die Hundemetzg eigenhändig ausgehoben? Hat der Ungesundheitsminister gar ein Interesse daran, dass Corona viral geht? Nimmt er Schmiergeld von der Klopapiermafia? Eine Hand desinfiziert die andere? Da lüpft es mir glatt den Aluhut. Ganz koscher ist der Berset auf jeden Fall nicht. Oder ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass seine polierte Glatze keine Kugel ist, sondern eine Scheibe? Achten Sie auf den Schattenwurf, oder den fehlenden Schattenwurf, je nach dem. Wenn man erst einmal gewillt ist, die Wahrheit zu sehen, fällt es einem plötzlich wie Schuppen von den Echsenmenschenaugen.

Ein Volk von Verschwörungstheoretikern

Oder steckt etwas noch Grösseres hinter der Pandemie? Sind es am Ende gar die Verschwörungstheoretiker selber, die das Virus in Umlauf gebracht haben? Um uns alle zu Verschwörungstheoretikern zu machen? Welch perfide Genialität! Angst, Unsicherheit, eine tödliche, aber unsichtbare Gefahr – der ideale Nährboden, auf dem Verschwörungstheorien wild wuchern.

Und erst der Slogan «Bleiben Sie zuhause». Reinste Heimtücke im Gewand der Verantwortung und Rücksicht. Seit Wochen sind wir zuhause eingesperrt, wir haben schon mit den Wänden zu reden begonnen – und irgendwann haben die Wände geantwortet. Das ist, was die Verschwörungstheoretiker mit der Pandemie wollen: Dass wir alle so bekloppt werden wie sie. Denn wenn bekloppt das neue normal ist, dann sind sie keine Verschwörungstheoretiker mehr, sondern weitsichtige Leader, die das alles immer schon vorausgesehen haben.

Begeistert werden wir ihre Namen auf die Wahlzettel schreiben und glücklich das Couvert abschlecken und uns kein bisschen wundern über den seltsamen Geschmack in unserem Mund.

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