Dü-Da-Do

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 23. März 2024

Dü-Da-Do, so klingt für mich Liebe. Deinem Dreiklang, liebes Postauto-Horn, bin ich schon als Knirps hoffnungslos verfallen. Und jetzt, wo du deinen 100. Geburtstag feierst, sage ich offen: Ich bin verknallt in dich – bis über beide Ohren. Oder wie die Engländer sagen würden: You make me horny, Posthorn.

Die Post führte dich 1924 als Warnhupe ein, weil auf den Passstrassen immer wieder Privatautos und Postbusse karambolierten. Dein wahrer Daseinszweck aber, das weisst du, mein süsses Dü-Da-Do, ist ein ganz anderer. Dü-Da-Do, du, du, du bist die Sehnsuchtsmelodie von uns Mittellandgeplagten. Der Herzschrittmacher für uns Alltagsermatteten. Balsam für unsere Düdelidü-Klingelton-müden Ohren.

Wie uns das Herz im Leibe hüpft, wenn wir uns im Postauto aus unserem flachen Dasein empor serpentinen in die lichten Höhen der Berge und du uns in der ersten Haarnadelkurve mit lawinenauslösenden 120 Dezibel froh verkündest: Du bist angekommen.

Dü-Da-Do. Du, du bist der Soundtrack der Heldinnen und Helden in Gelb, die mit an Todesverachtung grenzender Gelassenheit auch noch die stotzigsten Bergpoststrassen hochkurven und an der gächsten Stelle, da wo kein Zentimeter Strasse mehr ist zwischen Postauto und der 300 Meter senkrecht abfallenden Steilwand, freundlich übers Mikrofon mitteilen, man schaue doch bitte mal nach rechts. Dort habe es Gämsen. Und dann dem entgegenkommenden Holländer den Schrecken seines Lebens einjagen. Dü-Da-Do.

Dü-Da-Do, das ist der Sound des Service public. Wo du erklingst, gibst du uns dein Versprechen: Mit mir kommt ihr auch in den hintersten Chrachen. Und auch wieder zurück.

Dü-Da-Do. Welch Einfachheit, welch Schönheit. Cis-e-a. Dein Dreiklang wurde aus der Ouvertüre zu Rossinis «Wilhelm Tell» entlehnt. Ein Meisterwerk. Aber man braucht kein Loriot’sches Jodeldiplom, um dich singen zu können. Denn du bist kein «du dödel di diri diri dudel dö». Du bist Dü-Da-Do. Und darum kennt dich jedes Kind. Dü-Da-Do, Poschtauto!

Ein Wermutstropfen bleibt, mein liebes Posthorn. Nur etwa jedes dritte Postauto besitzt dich. Das mussten meine Frau und ich an unserer Hochzeit schmerzlich erfahren, als das gemietete Postauto auf der Fahrt zur Kirche partout nicht hornen konnte. Wie gross die Enttäuschung. Und wie gross die Freude, als kurzerhand die versammelte Hochzeitsgesellschaft einsprang. Von den Pfüdis bis zu den vereinigten Grossmüttern sangen alle vielstimmig «Dü-Da-Do». Bei jeder Kurve.

Liebes Posthorn, alles Gute zum Geburtstag. Bleib im Dreiklang. Und jetzt ist es höchste Zeit, die 100 Kerzen auf deiner Torte auszupusten.

Eins, zwei, drei: Dü-Da-Do.

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Bild: Postauto AG

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