Save the date

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 27. November 2019

Haben Sie am 12.  Dezember 2020 schon was vor? Nicht? Save the date. Reservieren Sie das Datum, am besten jetzt gleich, denn Sie wissen ja, Daten sind Fluchttiere, fixiert man sie nicht rechtzeitig mit der Zwangsjacke des Terminkalenders, entschwinden Sie schneller als die gute Laune von Beat Vonlanthen am Wahlsonntag. Darum: Save the date. Weiterlesen

Running Gag

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 18. November 2019

Als Jogger bin ich eine Witzfigur, ein Running Gag, eine Schnecke in Lycra-Leggins. Überhaupt habe ich nur mit dem Laufen begonnen, weil im Internet stand, über 45 solle man zuerst zum Arzt, bevor man mit dem Joggen anfange, und da dachte ich mir: Fang lieber vorher an. Denn zum Arzt ist nie gut; immer teuer, weil der ja sein ganzes Hightech-Equipment amortisieren muss – Rolex, Jacht und Golfschläger. Und am Schluss sagt er Sätze wie: «Sie haben noch 40 Jahre zu leben. Mindestens. Aber es wird kein schönes Alter werden.» Weiterlesen

Total vermöbelt

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 13. November 2019

Mein Schrank ist echt beschränkt. Neulich vermöbelte er mein Bett, nur weil es gesagt hatte, er habe nichts auf dem Kasten. Der Schrank natürlich gleich bis auf den Pressspan beleidigt. «Möbel, hau’s», schrie er, «sonst breche ich dir jedes einzelne Lättli. Und dann ist fertig Happy Bett.» Das Bett dachte gar nicht dran abzuhauen, ist ja kein Reisebett. Der Schrank, total furniert, mit Karacho aufs Bett. «Unter den Tablaren der Staub von tausend Jahren», begann in diesem Moment der Perserteppich zu skandieren, ein Alt-68er, der weiss, wie es ist, mit Füssen getreten zu werden, und sich darum mit allen Unterdrückten solidarisiert. Weiterlesen

Essjuhwiehs

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 11. Oktober 2019

Ich will mich ja nicht aufregen. Aber Essjuhwies? Also, SUVs, oder «Suffs», wie Deutschschweizer manchmal ganz treffend sagen. Denn die saufen ja wirklich viel, also die Suffs, nicht die Deutschschweizer. Und darum verstehe ich einfach nicht, wieso entgegen jeder klimapolitischen Dringlichkeit immer mehr Schweizerinnen und Schweizer einen solchen Streitwagen fahren. Es gibt nur einen vernünftigen Grund für einen Suff: eine abgeschlossene Lehre als Förster. Aber so viele Försterinnen kann es gar nicht geben, wie Suffs zugelassen sind. Wer ums Verrecken beim Vorwärtskommen mehrere Tonnen unterm Hintern haben will, dem spendiere ich eine Runde Elefantenreiten im Kinderzoo. Weiterlesen

Kleine Thekenkunde

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 30. September 2019

Die Bibliothek kennt jeder, wenn auch nicht von innen. Aber wie sieht es mit ihrer Verwandtschaft aus? Häufig verwechselt wird die Bibliothek mit ihrer frommen Tante, der Bibelthek, dabei sind die beiden leicht zu unter­scheiden. In der Bibelthek steht nämlich in der Regel nur ein einziges Buch – oder aber ­ein dyslexischer Primar­schüler, und es ist doch eine Bibliothek. Weiterlesen

Endlich Herbst

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 17. September 2019

Das Schönste am Herbst ist, dass der Sommer vorbei ist. Endlich. Dieser nervtötende Angeber, dieser flip-floppende Grosskotz, der es wie die Sonnenuhr macht: Er hält sogar seinen Schatten für das Mass aller Dinge. Der längste Tag, die kürzeste Nacht (aber tropisch!), Rekordtemperaturen – drunter macht es der Sommer nicht. Er ist eben der Trump unter den Jahreszeiten: Völlig verpeilt in seiner Selbstüberschätzung, spaltet er die Nation in jene, die ihn heiss lieben, und jene, die ihn am liebsten loswerden würden (#ImpeachSummer). Weiterlesen

Stilfragen

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 29. Juni 2019

Gerade in diesen Backofentagen werde ich als Stilexperte häufig gefragt: «Nackte! Männerfüsse! in! Sandalen! Geht das!» Ohne Fragezeichen, aber mit fünf Ausrufezeichen, weil es eigentlich gar keine Frage ist, sondern ein bereits gefälltes ästhetisches Todesurteil, das ich lediglich noch unterzeichnen soll.

Doch den Gefallen tu ich nicht. Ich finde nämlich, nackte Männerfüsse in Sandalen, das geht durchaus. Ich habs ausprobiert. Und Jesus lief schliesslich auch nicht mit rahmengenähten Budapestern herum. Wer will also den ersten Bimsstein werfen? Weiterlesen

Raumschiff Erde

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 25. Juni 2019

Der Mond fasziniert mich. Die Mondlandung sowieso. Das 50-Jahr-Jubiläum von Neil Armstrongs kleinem Schritt ist für einen Süchtigen wie mich wie 24 Stunden Happy Hour. Sprich, ich gebe mir die Kante: Ich schau mir jeden Dok-Film an, den die unendlichen Weiten des Fernsehens hergeben, liebäugele damit, auch noch den dritten und vierten Bildband zum Apollo-Programm zu kaufen, und zwischendurch gehe ich mit meinem Telesköpchen auf dem Mond spazieren. Und mein Konsum von Raketen-Glaces (die wurde im mondverrückten Sommer 1969 gestartet) ist so astronomisch hoch, dass meine Frau meint, auf dem Mond wiege man zwar vielleicht nur einen Sechstel seiner irdischen Leibesfülle, aber es sei jetzt trotzdem genug. Weiterlesen

Tour de Suisse

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 18. Juni 2019

Als es nach Flamatt den Stutz hinauf ging, fluchte Platten. Die dritte Etappe war noch keine zwei Minuten alt und er hasste sie schon. Schon als 15-Jähriger war er bei den Bergrennen des VC Hefenhofen stets das Schlusslicht gewesen. Es lag nicht an der Kraft. Am Hang stand er einfach auf dem Schlauch. Mental. Weiterlesen

Der Mond ist voll

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 4. Juni 2019

«Der Mond ist saufen gegangen, seht ihr ihn am Tresen hangen, sternhagelvoll und breit …» Schonungslos nüchtern hat der deutsche Dichter Matthias Claudius – ansonsten eher von romantischen Anwandlungen durchwabert – in seinem 1779 veröffentlichten «Abendlied» das wahre Wesen des Mondes als eines schwer alkoholkranken Himmelskörpers besungen. Bekannt geworden ist Claudius’ «Abendlied» übrigens erst in einer von seinem Lektor erarbeiteten entschärften Fassung («Der Mond ist aufgegangen»). Aber seine Beobachtung stimmt: Der Mond macht uns nicht süchtig, er ist es selber. Die amerikanische Flagge jedenfalls, die Neill Armstrong und Buzz Aldrin am 21. Juli 1969 auf dem Mond aufpflanzten, war nicht die erste Fahne, die dort oben wehte. Weiterlesen