Auch Mittelmass macht Spass

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 26. April 2019

«Lebe jeden Tag so, als wäre es dein letzter», las ich neulich auf einem Zuckerbeutel. Krass, dachte ich. Man weiss ja, dass zu viel Zucker einen frühen Tod bedeutet, aber dass es gleich so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht. Erst beim zweiten Hinschauen merkte ich: Das ist gar kein Warnhinweis vom Bundesamt für Gesundheit. Sondern eine Lebensweisheit. Oder eher eine Lebensdummheit. Weiterlesen

Haustiere

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 20. April 2019

«Papi, ich möchte sooo gerne ein Pferd», sagt die Grosse. «Viel zu teuer», sage ich. «Und ein Meerschweinchen?», fragt sie treuherzig. Raffiniertes Kind, denke ich. Aber so leicht lasse ich mich nicht um den Finger wickeln. «Ein Meerschweinchen allein ist einsam, da brauchst du mindestens zwei.» – «Juhui, wir kriegen zwei Meerschweinchen», jauchzt der Kleine. «Das kostet dann aber wieder fast so viel wie ein Pferd», sage ich. «Und dann kommt noch das Futter dazu.» Manchmal bin ich selber erstaunt, wie schamlos ich lüge, seit ich Kinder habe. Weiterlesen

Ausgetickt

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 2. April 2019

Sonntagmorgen. Die Back­ofenuhr zeigt 09:00, obwohl im Radio schon die 10-Uhr-Nachrichten laufen. «Ich mach das», sage ich. Zweimal im Jahr nicht ein Knecht der Zeit zu sein, sondern ihr Herr, gibt mir ein gutes Gefühl.

«Soll ich die Anleitung raussuchen?», fragt meine Frau. Weiterlesen



Scherzinsuffizienz

«Herr Doktor, ich habs mit dem Scherzen.»

«Scherzrasen? Scherzklopfen? Scherzflimmern?»

«Nein, mir fallen keine guten Pointen mehr ein.»

«Kein Grund zur Sorge, das ist in Ihrem Alter ganz normal.»

«Ganz normal?»

«Scherzkreislaufprobleme. Ich verschreib Ihnen ein paar Scherztropfen, die bringen Ihren Scherz wieder in Schwung.»

«Aber mein Scherz hat von einem Moment auf den anderen einfach ausgesetzt. Total beängstigend.»

«Akutes Scherzversagen? Damit ist allerdings nicht zu spassen.» Weiterlesen

Nur eine tote Birke

Birkenholz. Ich liebe Birkenholz. Sie nicht auch? Ich bin keine Konifere auf dem Gebiet, aber die Birke ist ja die Buche unter den Fichten, wenn Sie verstehen, was ich meine. Dieser seidige Glanz. Die feine Maserung. Ich schlafe in einem Bett aus Birkenholz, selbst gezimmert – und jeder Splitter, den ich mir eingefangen habe, war es wert. Weiterlesen

Allergikerinfo: Dieser Text enthält eine übermässige Konzentration des Wortes Birke.

Würzige Heimat

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 12. Januar 2019

Dank der SVP wissen wir endlich, was Heimat ist. Nämlich: «Das, was wir vermissen, wenn wir auswärts sind. Den Schweizer Dialekt, die Musik, das frische Trinkwasser, knuspriges Brot, den Cervelat, ja sogar das Aromat.» Das sei Heimat. So steht es im brandneuen Parteiprogramm der SVP. Gut, ein paar Unschärfen hat die Heimat­definition der selbst ernannten Volkspartei zwar schon. So gibt es etwa meines Wissens keinen Schweizer Dialekt, sondern ein paar Hundert Dialekte. Gluten-Opfer denken bei knusprigem Brot ganz spontan wohl eher an Hölle als an Heimat. Und was ist mit Vegetariern, die keine Cervelats essen? Sind das heimatlose Gesellen?

Vor allem aber fehlt in der Aufzählung ganz entschieden das DüDaDo des Postautos, gopfertammisiechnomoll. Das ist für mich Heimat. Und dass einem das Postauto noch in den hintersten Chrachen bringt, das ist für mich auch Heimat. Unbedingt nachbessern, liebe Frauen und Mannen von der SVP, sonst wähle ich Euch im Herbst noch weniger als sonst schon.

Aromat als Metapher für Heimat hingegen finde ich grossartig. Denn wer hats erfunden? Ein Schweizer, das stimmt. Aber wem gehörts? Dem multinationalen Konsumgüterkonzern Uni­lever (hör ich da Ausverkauf der Heimat? Und braucht die Schweiz eigentlich einen Sitz im Unilever-Sicherheitsrat, oder nicht?).

Und was steckt denn drin, in der würzigen Heimat, waseliwas? Bodenständige Zwiebeln und allergene Selleriesamen, dazu Nelken (Zuwanderer aus Sansibar), Curcuma (wächst die eigentlich auf hiesigem Mist?), Lorbeer (übers Mittelmeer gekommen) und eine binationale Mariage von Palm- und Sonnenblumenöl (quasi Ehe für Öle, also, Ehe für alle, äh, ist ja auch egal, Haupt­sache, es flutscht).

Als Völker verbindendes Element darf natürlich der Geschmacksverstärker Glutamat nicht fehlen; das macht das Essen auch beim Chinesen so lecker. Und, jetzt ganz stark sein, liebe Verteidiger des christlichen Abendlandes: Ich glaube fast, Aromat ist sogar halal.

Kurz: Das würzige Streupulver ist ein bunter Mix aus Hiesigem und nicht ganz so Hiesigem – Multikulti im Gewürzdöschen, sozusagen. Das also ist für die SVP Heimat. Hätte nicht gedacht, dass ihr das schmeckt. Ich streu mir davon aber gerne etwas auf mein knuspriges Cervelatbrot, dazu ein Glas frisches Trinkwasser und etwas Lüpfiges von Müslüm. Sie wissen schon, das ist dieser Musiker mit dem Schweizer Dialekt.

In diesem Sinn: DüDaDo.

Migrationsmissverständnis

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 29. Dezember 2018

«Schon eindrücklich, diese Migrationsströme. Millionen sind Jahr für Jahr unterwegs. Auf fixen Routen. Tausende von Kilometern legen die zurück. Übers offene Meer, durch die Wüste, unwirtliche Gebirge. Stell dir mal die Strapazen vor. Die sind total entkräftet, wenn sie ankommen. Wenn sie überhaupt ankommen.»

«Jetzt übertreib mal nicht.»

«Doch. Viele schaffen es gar nicht. Das weiss man. Die bleiben auf der Strecke. Und trotzdem ziehen sie immer wieder aus Neue los.»

«Sollten halt gar nicht erst weggehen. Meine Meinung. Wird man ja wohl noch sagen dürfen.» Weiterlesen


Weihnachten

Den Santa einen adipösen alten Mann sein lassen. Stolz ertragen, wie sich die Grosse mit der Blockflöte durch «Jingle Bells» hyperventiliert, während der Kleine dazu den Triangel schlägt mit einem heiligen Ernst, als hinge das Heil der Welt davon ab, was es auch tut, in diesem einen Moment. Das ist für mich Weihanchten. Und noch vieles mehr. Nachzulesen in meinem Blogbeitrag für den «Aufbruch».

Fröhliche Weihnachten!

Die Gipfeli der Macht

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 4. Dezember 2018

«Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, wir berichten aktuell und live vor Ort für Sie aus der Wandelhalle. Gleich geht’s los mit der Bundesratswahl. Neben mir ist jetzt zuerst aber noch Ruedi Rüdisühli. Herr Rüdisühli, Sie backen die Gipfeli für die Bundeshaus-Cafeteria …»

«Seit 35 Jahren, immer gleich, immer gut. Immer gleich gut.»

«Die Gipfel der Macht, sozusagen.»

«Ja, ich gipfle immer in der Nacht. Sonst gäbe es am Morgen ja keine Gipfeli.»

Die Gipfeli der Macht weiterlesen

Letzte Fragen

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 30. Oktober 2018

Über das Sterben spricht man nicht gerne. Aber wir alle sind dem Tod eine Antwort schuldig. Früher oder später. Sind Sie bereit für ein paar letzte Fragen?

Letzte Fragen weiterlesen