Wir Glutgläubigen

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 9. Juni 2020

Beim Grillieren komme ich ins Grübeln. Ja, auch über die Frage, ob unser Fleischkonsum vertretbar ist. Was er, um es kurz zu machen, nicht ist. Wir alle wissen, dass weniger Fleisch besser wäre, und greifen dann doch zum toten Tier im Aktionsangebot, denn wie schon der Evangelist Matthäus wusste: «Das Fleisch ist billig und der Geist ist schwach.» Weiterlesen

Verschwörungspraktiker

Beitrag im «Nebelspalter» vom Juni 2020

Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien. Die hat sowieso alle die Regierung in die Welt gesetzt. Als Ablenkungsmanöver. Ich meine, Chemtrails? Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Regierung mit Flugzeugen über den Wolken Chemikalien versprühen lässt, um uns zu willenlosen Zombies zu machen? Hallo? Homöopathie am Himmel? Das funktioniert noch weniger als mit Kügeli. Das kann sich nur so ein Globulisierungsfuzzi ausgedacht haben, den der Nachrichtendienst direkt ab der Rudolf-Steiner-Schule engagiert hat.

Aber es funktioniert. Alle reden über Chemtrails, aber niemand spricht darüber, wie die Regierung wirklich Macht über unsere Gehirne erlangt: die Abstimmungscouverts! Ist Ihnen beim Zukleben, wenn Sie mit der Zunge über die Lecklasche fahren (die heisst wirklich so!), noch nie aufgefallen, dass der Leim irgendwie seltsam schmeckt? Gälled Sie, ist doch so? Da sind hochaktive psychedelische Sustanzen drin, die gehen direkt ins Hirn – darum heisst es ja auch direkte Demokratie. Neben dem Waschküchenschlüssel die zweitbeste Erfindung, um uns Schweizer zu kontrollieren. Was einmal mehr beweist, dass oben in Bern keine Verschwörungstheoretiker am Werk sind, sondern Verschwörungspraktiker, die ihr Handwerk verstehen. Eidgenössisch diplomierte Verunsicherungsagenten, Lügenschreiner mit Berufsmatura und dual gebildete Faktenspengler (die kennen sich aus mit Dichtung).

Sie glauben mir nicht? Wieso geht es denn in der Schweiz mit dem E-Voting nicht voran, he? Weil man die Computermaus zum Abstimmen nicht abschlecken muss, deshalb!

«G-g-g-g-g-orona»

Und jetzt Corona. Natürlich hat das Virus nichts mit G5 zu tun, ausser man ist ein stotternder St. Galler: «G-g-g-g-g-orona». Unfug ist auch die Theorie, das Virus sei aus einem chinesischen Hochsicherheitslabor entwichen. Es stammt nämlich eindeutig aus einer illegalen Hundemetzgerei aus dem Appenzell-Innerrhodischen. Die Beweislage ist erbrechend. Ich sag nur Gulasch, aber nicht ungarisch, sondern un-gar. Und vom Appenzell aus hat das Virus seinen Siecheszug um die Welt angetreten. Das kommt davon, wenn man auch Entwicklungsländer ans Glasfasernetz anschliesst. Meine Meinung.

Die grosse Frage ist natürlich: Wieso hat Berset nicht schon vor Jahren die Hundemetzg eigenhändig ausgehoben? Hat der Ungesundheitsminister gar ein Interesse daran, dass Corona viral geht? Nimmt er Schmiergeld von der Klopapiermafia? Eine Hand desinfiziert die andere? Da lüpft es mir glatt den Aluhut. Ganz koscher ist der Berset auf jeden Fall nicht. Oder ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass seine polierte Glatze keine Kugel ist, sondern eine Scheibe? Achten Sie auf den Schattenwurf, oder den fehlenden Schattenwurf, je nach dem. Wenn man erst einmal gewillt ist, die Wahrheit zu sehen, fällt es einem plötzlich wie Schuppen von den Echsenmenschenaugen.

Ein Volk von Verschwörungstheoretikern

Oder steckt etwas noch Grösseres hinter der Pandemie? Sind es am Ende gar die Verschwörungstheoretiker selber, die das Virus in Umlauf gebracht haben? Um uns alle zu Verschwörungstheoretikern zu machen? Welch perfide Genialität! Angst, Unsicherheit, eine tödliche, aber unsichtbare Gefahr – der ideale Nährboden, auf dem Verschwörungstheorien wild wuchern.

Und erst der Slogan «Bleiben Sie zuhause». Reinste Heimtücke im Gewand der Verantwortung und Rücksicht. Seit Wochen sind wir zuhause eingesperrt, wir haben schon mit den Wänden zu reden begonnen – und irgendwann haben die Wände geantwortet. Das ist, was die Verschwörungstheoretiker mit der Pandemie wollen: Dass wir alle so bekloppt werden wie sie. Denn wenn bekloppt das neue normal ist, dann sind sie keine Verschwörungstheoretiker mehr, sondern weitsichtige Leader, die das alles immer schon vorausgesehen haben.

Begeistert werden wir ihre Namen auf die Wahlzettel schreiben und glücklich das Couvert abschlecken und uns kein bisschen wundern über den seltsamen Geschmack in unserem Mund.

Geile Grillen

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 27. Mai 2020

Bitte bestätigen Sie vor dem Weiterlesen, dass Sie älter als 18 Jahre sind.

Jetzt stridulieren sie wieder, die Grillen im Garten. Und wenn Sie bei Stridulation an eine abartige Sexualpraktik denken, dann liegen Sie nicht völlig falsch. Stridulation ist der Fachausdruck fürs Zirpen der männlichen Grillen, also der Grilleriche, und natürlich musizieren die nicht einfach aus lauter Lust an der Freude, sondern weil sie nur eines im Kopf haben: Sex. Das Stridulieren dient dazu, Weibchen zu betören – und andere Männchen zu vertreiben, die einem die Weibchen streitig machen könnten. Weiterlesen

«Home Holidaying»

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 16. April 2020

Ach, wie schön ist Griechenland. Gerade jetzt im Frühling. Sich berauschen am süssen Duft des Hibiskus. Und erst all die Scherben der Antike, Pardon, das Erbe der Antike. Hochkultur zum Niederknien. Wir waren gerade dort, Sonne pur, niemand da ausser uns. Wunderbar. Nur das Essen war katastrophal. Gleich in unserem Hotel gab es eine kleine Taverne, also ein Tavernchen, so klein war die, eigentlich nur eine offene Küche und ein einzelner, langer Holztisch. Eine Speisekarte gab es nicht. «Ich koche für euch, was ich grad habe», sagte der Wirt. Das klang wie das Versprechen eines dionysischen Festmahles. Aber am Schluss schmeckte es, als hätte ich es gekocht. Weiterlesen

Wenn das alles vorüber ist

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 2. April 2020

Jetzt bereue ich es, keinen Hamster gekauft zu haben. Aber als alle anderen ihre Hamsterkäufe erledigten, habe ich nur den Kopf geschüttelt. Ich meine, wozu Hamster? Die Viecher taugen doch gar nicht als Notvorrat. Die muss man erst füttern, bevor man sie futtern kann. Und selbst bei kühler und trockener Lagerung halten die nicht ewig. Aber jetzt hätte ich schon schampar gerne so einen Hamster. Nicht als Sonntagsbraten, nein, um einfach wieder mal jemandem Wildfremden trotz Social Distancing herzhaft und gefahrlos die Pfote drücken zu können. Aber jetzt kriegt man Hamster nur noch schwarz im Internet, und das sind auch bloss aufgeföhnte Hausmäuse. Also Obacht. Weiterlesen

«Es gilt: In die Armbeuge lachen!»

«Humor schafft Distanz.» (Bild Aldo Ellena/Freiburger Nachrichten)

Scherze in Corona-Zeiten, geht das? Das wollten die «Freiburger Nachrichten» anlässlich des 1. Aprils von mir wissen. Das Interview gibt es hier zum Nachlesen.

Die Problemzone bin ich

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 20. Februar 2020

Mein Körper hat keine Problemzonen, nein, mein Körper ist eine einzige Problemzone. Ja, was sag ich, eine Krisenregion, ein leibhaftiges Konfliktgebiet. Und an manchen Stellen herrscht schon offener Krieg. Auf meinem Kopf zum Beispiel, wo die Kopfhaut seit Jahren kategorisch einen Platz an der Sonne für sich fordert und nicht davor zurückschreckt, die Kopfhaare mit der Wurzel auszurotten, um diesem schä(n)dlichen Ziel näher zu kommen. Ein Follikelmord, eine genetische Säuberung. Und kein Blauhelm weit und breit. Weiterlesen

Glötzi

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 28. Januar 2020

Natürlich hätte ich meine Kinder anlügen können, als sie neulich in unserem Gefrierschrank eine Gletschermumie entdeckten. «Das ist keine Gletschermumie», hätte ich sie zum Beispiel beruhigen können, «das ist Tante Friedas legendärer Hackbraten.» Aber solche Sätze kommen mir natürlich immer erst hinterher in den Sinn, und ausserdem lag da kein Hackbraten, sondern eine Gletschermumie, erstaunlich klein zwar, aber gut erhalten und mit der typischen bräunlichen Färbung. Begraben unter den nicht geschleckten Raketen des letzten Sommers, starrte sie mich aus dunklen Knopfaugen an, die mir unheimlich vertraut vorkamen. An der rechten Hand der Mumie klebte das letzte Vanille-Cornet, auf das es meine Grosse eigentlich abgesehen hatte. Weiterlesen

Darf ich bitten?

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 17. Januar 2020

Tanzen müsste man können. Wenn einen die Dentalhygienikerin das nächste Mal mit ihren Marterwerkzeugen quält und dann scheinheilig fragt, ob es wehtue, nicht einfach «Esch geht» nuscheln, sondern eine feurige sizilianische Tarantella auf den Behandlungsstuhl zappeln, dass der guten Frau für den Rest des Lebens die Lust und der Mumm vergehen, fremden Leuten im Maul herumzustochern. Weiterlesen …

Save the date

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 27. November 2019

Haben Sie am 12.  Dezember 2020 schon was vor? Nicht? Save the date. Reservieren Sie das Datum, am besten jetzt gleich, denn Sie wissen ja, Daten sind Fluchttiere, fixiert man sie nicht rechtzeitig mit der Zwangsjacke des Terminkalenders, entschwinden Sie schneller als die gute Laune von Beat Vonlanthen am Wahlsonntag. Darum: Save the date. Weiterlesen