«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 6. Oktober 2026
Es überrascht mich jedes Jahr aufs Neue, wie plötzlich es Herbst wird. Auf leisen Sohlen schleicht er sich heran und springt einen völlig unerwartet hinterrücks an, wie ein Panther. Aber keine Angst, er schnurrt, wenn man ihn am Bauch krault. Man hat die Schmusekatze nicht kommen sehen, eben noch war es Hochsommer, dann steht man eines Morgens auf und über Nacht ist es Herbst geworden. Es ist zwar immer noch heiss, eine Glace liegt allemal noch drin, aber es ist, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Zum ersten Mal steigt einem dieser süssliche Duft von Malz und Karamell in die Nase, von dem ich bis heute nicht weiss, woher er stammt, der mir aber untrüglich verrät: Es ist Herbst, trotz nackten Füssen in offenen Schuhen.
Da ist plötzlich diese angenehme Kühle am Abend, die der Herbst dir um die Schultern legt, und tagsüber diese Klarheit, diese Weitsicht. Der Himmel wie geleckt von Septemberkätzchen, kein Wölkchen trübt die Sicht. Die Berge sind zum Greifen nah. Glücklich, wer jetzt pensioniert ist und Wanderstöcke hat und gesunde Knie.
Ausschneiden möchte man sich diese Tage und ins Album kleben. Einmachen als Gemütsnahrung, für später, wenn der Himmel aussieht wie ungewaschene Wolle und der Novemberblues mit seinen dreckigen Gummistiefeln durch das Seelenstübchen trampelt. Schade, dass Herbsttage nicht auf den Dörrex passen, aber immerhin schrumpeln dort Apfelringe ihrer Vollendung entgegen (Oh, süsse Faltigkeit, wie kann man nur so einfältig sein und Lust auf Botox haben?) und auf dem Herd blubbert verheissungsvoll das Zwetschenkompott. Nur noch ein bisschen Zimt, dann ist es perfekt. Blubber-blubb.
Überhaupt, dieser Herbstsound. Das «Pfff» beim Öffnen der ersten Sauserflasche – und das «Pfff» danach, wenn man im herbstlichen Übermut die ganze Flasche allein geleert hat. Das gleichmässige Rungel-di-pungel des Kartoffelernters. Dazu das Knacken der Eicheln, die unter den Schuhen zerplatzen. Rungel-di-pungel-di-pfff-knack, rungel-di-pungel-di-pfff-knack. Eine prächtige Herbstsymphonie, in der das selige Schlorchzen des Rahmbläsers für süsse Akzente sorgt, wenn er ein Vermicelles unter Bergen von Rahm (zum Greifen nah und auch ohne Wanderstöcke zu bewältigen, auch wenn es sich nicht um die Seniorenportion handelt) begräbt. Da capo! Da capo!
Und dazu den samtig weichen Panther streicheln, solange er einem um die Füsse streicht. Denn von Weitem hört man ihn schon kommen, den November, mit seinen Gummistiefeln, die unangenehm quietschen.
Bild mit ChatGPT erstellt.
