Ist das Christkind geimpft?

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 30. Oktober 2020

Schon bald steht Weihnachten vor der Tür – aber ob heuer das Festergebnis positiv ausfällt? Weihnachten mit Corona, das wird einfach schwierig.

Darf man zum Beispiel noch im erweiterten Familienkreis lauthals unter dem Tannenbaum singen? Und welche Lieder? «Jingle Bells» ist auf jeden Fall tabu: Sechs «Tsch»-Laute in jedem Refrain, das ist für die Aerosole wie zweimal Weihnachten. Und «Alle Jahre wieder …» tönt heuer weniger nach froher Verheissung als nach einer epidemiologischen Drohung. Vielleicht wäre «O Aero-Sole mio» ganz passend?

Übrigens, gilt eine Maskenpflicht fürs Blockflöteln? Und wenn ja, an welchem Ende des Speuzknebels?

Wie viel Desinfektionsmittel muss ich in die Bouillon des Fondue Chinoise kippen, damit allfällige Viren an den Gabeln zuverlässig abgetötet werden? Hat der pensionierte Koch ein Rezept dafür? Sind Rollschinkli noch sicher? Weiss ja kein Schwein, ob sich die Viecher ans «Saustall Distancing» halten. Und Mailänderli? Wütete dort die Seuche nicht besonders schlimm?

Was, wenn der Adventskalender heuer zum Quarantänekalender wird, weil man vom Glühweinsaufen an der Vereinsweihnacht mehr als nur ein paar Promille nach Hause bringt? «Nur noch zehn Türchen, liebe Kinder, dann dürfen wir wieder vor die Tür.»

Stimmt es, dass Rottannen mehr Viren aus der Stubenluft filtern als Blautannen? Muss man die Grosseltern trotzdem einmal pro Stunde zum Lüften vor die Tür stellen? Ist das Christkind eigentlich geimpft? Und sind die drei Weisen aus dem Morgenland klug genug, sich an die Quarantänepflicht für Einreisende zu halten? Nicht, dass wegen ein paar Covidioten das Krippenspiel zum Grippespiel wird.

Was macht es eigentlich mit den Seelen unserer Kinder, wenn der Samichlaus (Risikogruppe!) zu Hause bleibt, der Päcklipöstler aber trotz Pandemie arbeitet? «DHL-Kurier, du liebe Maa, darf ich au es Gschänkli ha?»

Ist es okay, sich heuer bei Tante Hedi mit einer herzlichen Umarmung zu bedanken für all die selbst gestrickten Kratzfoltersocken in lebensfrohem Beige, die man seit seinem fünften Lebensjahr zuverlässig immer zwei Nummern zu gross geschenkt kriegt?

Muss man Freude heucheln über den selbstbemalten Seifenspender des Göttimeitli, der zwar seuchenprophylaktisch überzeugt, ästhetisch aber eher nicht?

Darf man Smarties schälen und dem Grosi als Echinaforce-Tabletten unterjubeln?

Schwierig, schwierig. Richtig übel wird’s aber erst am 6. Januar: König zu werden war für mich bisher immer das Grösste. Heuer habe ich aber absolut keine Lust auf die Corona.

Meine Depp-Ich-Etage

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 7. Oktober

Ich stelle mir mein Gehirn gerne als Verwaltungsrat meiner kleinen Ich-AG vor. Egal ob neuer Job oder das Zmittag in der Familienkantine – er entscheidet einfach alles. Im Gegensatz zu den meisten Firmen-Verwaltungsräten ist mein Organ weiblich dominiert. Die Erfahrung etwa ist schon seit 43 Jahren dabei und jeden Tag ein bisschen reicher. Dass sie es bisher trotzdem nicht geschafft hat, die Naivität wegzuekeln, freut mich. Denn wer zwischendurch die rosa Brille anzieht, verschliesst nicht die Augen vor der Wirklichkeit, sondern führt sich vor Augen, wie die Wirklichkeit auch sein könnte. Diesen Satz brachte neulich die Hoffnung in einer Powerpoint-Präsentation. Oder war es die Vorstellungskraft? Oder die Kreativität? Diese Damen reden nämlich auch immer ein gewichtiges Wörtchen mit. Weiterlesen

Heiliges Bimbam

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 5. Oktober

Ich bin keine zwölf Himmel-und-Hölle-Felder entfernt von einer Kirche aufgewachsen. Wahrscheinlich bedeutet deshalb Glockengeläut für mich Heimat. Das heilige Bimbam gehört zum Sound meiner Kindheit, und den vergisst man nicht so leicht. Deshalb berührt es mich auch jedes Mal, wenn am Samstagabend im Schweizer Radio die Kirchenglocken erklingen, um den Sonntag einzuläuten.

Jedes Mal stelle ich mir dann den Tontechniker vor, der das Glockengeläut aufnimmt. Für mich heisst er Heinz. Seit Jahrzehnten schon, da bin ich mir sicher, reist Heinz kreuz und quer durchs Land, in verschlafene Städtchen und entlegene Bergtäler, um das Glockengeläut einzufangen. Es gleicht einem Ritual, wie er sein Mikrofon platziert und den Aufnahmeknopf rechtzeitig drückt, um ja nicht den ersten Glockenschlag zu verpassen, das zaghafte Anschlagen des Klöppels gegen die Messingglocke. Er liebt diese Momente, wenn sich die Glocken einschwingen wie Zirkusartisten an ihrem Trapez, wenn sich das helle Bimmeln der kleinen Glöckchen mit dem dunklen Schlag der grossen Glocke zu einem unvergleichlichen Geläut verbindet.

Heinz hat ein Ohr entwickelt für die feinen Unterschiede, kein Glockenstuhl birgt dieselbe Klangwelt; ja, der Tontechniker würde noch nach 30 Jahren jede Kirche, die er einmal besucht hat, an ihrem Geläut erkennen. In «Wetten, dass …» hätte er damit gewinnen können. Aber der grosse Auftritt liegt ihm nicht, den überlässt er den Glocken. Er ist ein stiller Mensch. Gewissenhaft. Aber nicht fromm. Er besucht nie einen der Gottesdienste, zu denen die Glocken rufen. Aber das Geläut ist ihm heilig.

Er ist getauft, gewiss, gehört einer Konfession an. Aber darüber reden mag er nicht. Glocken kennten keine Konfession, sagt er bisweilen, sie klängen nur gut oder schlecht. Das habe er im Gehör. Schon manch ein Pfarreirat hat aufgrund seiner Expertise den Klöppel auswechseln lassen und damit dem Geläut zu mehr Wohlklang verholfen. Was ihm durch den Kopf gehe, wenn er eine Aufnahme mache, wurde er schon gefragt. Nichts Besonderes, hat er entgegnet. Nur Schall und Klang.

Jedes Wochenende ist Heinz unterwegs, nach der Aufnahme kehrt er meist in der Dorfbeiz am Kirchplatz ein. Manchmal kommt es vor, dass der Wirt ihn fragt, was ihn in dieser Jahreszeit in diese gottverlassene Gegend verschlagen habe. Dann holt Heinz sein Aufnahmegerät hervor und spielt das Geläut ab, das er soeben aufgenommen hat. Für einen Moment verstummen die Gespräche in der Gaststube, dann stellt der Wirt ihm seinen Kaffee hin und sagt: «Jä so, Sie sind das mit den Glocken.» Und der Kaffee gehe dann übrigens aufs Haus.

Mein Philosofa

Beitrag im «Nebelspalter»

Mein Canapé ist tiefgründiger als ich, aber nicht, weil es durchgesessen wäre, nein: es ist ein Philosofa. Was wohl daher rührt, dass es den ganzen Tag nur rumsteht, mit dem Rücken zur Wand. Da kommt man natürlich schnell ins Grübeln über existenzielle Fragen wie: Bin ich wirklich ein Sofa? Und wenn ja, für wie viele?

Ich habe es Immanuel getauft, auch wenn es aus Fichte ist. Der Bezug hat diesen speziellen Rot-Ton, man sagt ihm, glaub ich, «Rousseau». Dazu Knöpfe aus Lessing. Wenn man sich draufschlegelt, machen die Federn leise «Nietzsche». Es ist recht bequem, aber manchmal geht es mir echt auf den Hegel mit seiner Philosofiererei.

«Ich denke, also bin ich. Oder denke ich nur, dass ich bin und bin gar nicht, was ich denke? Nicht auszudenken», sagt es zum Beispiel. «Ich denke, du bist, weil du gemacht worden bist», sage ich. «Das bist du auch.» «Aber anders. Gezeugt, nicht gezimmert.» «Genagelt wurde bei beiden.» «Jetzt hör aber auf, Immanuel. Das ist unterste Schublade.»

«Wieso muss eigentlich immer ich herhalten, wenn ihr schmutziges Zeugs redet?», reklamiert die unterste Schublade der Kommode eingeschnappt. «Weil es so kommod ist», säuselt der Luftbefeuchter, sonst nicht gerade bekannt für trockenen Humor. «Aber das ist ungerecht», beharrt die Schublade. «Tja, ähm, also…», sage ich. «Mehr fällt dir dazu nicht ein?», ätzt der Nachttisch, der eigentlich ganz süss wäre, hätte er nur ein t weniger. «Sogar dein Canapé ist tiefgründiger als du.»

«Das wäre ein schöner erster Satz für eine Kolumne», sage ich. «Da, er klaut schon wieder», ruft die billige Eames-Chair-Kopie, «darf er das überhaupt?» «Legal, illegal, Scheissegal», plärrt der anthrazitfarbene Stereoanlagen-Turm dazwischen, den alle nur den schwarzen Block nennen.

Da kommt meine Frau ins Zimmer und kuschelt sich zu mir aufs Sofa. «Liebes Mobiliar», sagt sie, «könntet ihr mal eure Klappe halten? Ich möchte jetzt nämlich ein bisschen ungestörte Zweisamkeit.»

«Und ich habe gedacht, ich sei deine einzig wahre Liege», sagt das Sofa und macht einen sauren Wittgenstein. «Ich steh gar nicht auf dich », sage ich. «Aber ich bin besessen von dir», gesteht das Sofa. «Klappe, Immanuel», sagt meine Frau.

Das einzige, was man dann noch hört, ist ein leises «Nietzsche-Nietzsche-Nietzsche».

Wer Möbelwitze mag, dem gefällt vielleicht auch die Kolumne «Total vermöbelt». (Ein paar Wortspiele kommen in beiden Texten vor.)

Postkartengrüsse aus dem Corona-Sommer

Übrigens in den «Freiburger Nachrichten» vom 16. Juli 2020

Hej, ihr Lieben, Schweden im Sommer ist super. Von wegen kühle Skandinavier, die sind überraschend heissblütig, fiebrig fast schon. Und erst die Lebensfreude – einfach ansteckend. Und das Beste: Wenn wir zurückkommen, können wir uns noch zehn Tage zu Hause erholen. Skål! Billy & Ivar

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Lieber Ruedi, heute waren wir zum ersten Mal auf dem Jungfraujoch. Grandios. Wie schön die Schweiz eigentlich ist, merkt man eben erst, wenn all die Ausländer mal nicht da sind. Aber nächstes Jahr dann wieder Phuket, gäll? Das chinesische Essen ist einfach schon megafein. Und so ein bitzeli Exotik erweitert ja auch den Horizont. Heimatliche Grüsse aus der schönen Schweiz! Sonja, Vreni, Peter

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Mann, Alter. 1 geile Party in Tsüri mit voll sozialem Tischdancing = 10 Tage Pyjamaparty dihäim. Krass krank. Dabei kommt Corona doch von Fledermaus. Kann ich ja nicht wissen, dass du es auch im «Flamingo» kriegst. Sonst wär’s doch Vogelgrippe?! Scheissviecher! Häb dich Sorg, Bro!

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Ciao Thomas, von wegen «Venedig sehen und sterben». Auch am dritten Tag in der Lagunenstadt spür ich höchstens ein Kratzen im Hals. Die Medien übertreiben eben alles. Auch der Karneval ist solala: Alle tragen dieselben langweiligen Masken. Kein Vergleich mit unserem Morgestraich. Basil

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Liebes Mami, die RS ist voll öde. Immer nur Gewehr-Figg. Mit Schutzmaske. Der erste in unserer Kompanie hat trotzdem schon Corona. Wenn ich heil hier rauskomme, mache ich Zivildienst. Was Nützliches, anderen helfen; auch für Drecksarbeit im Altersheim wäre ich mir nicht zu schade. Übrigens: Ich habe dir gestern die Schmutzwäsche nach Hause geschickt. Wo bleibt mein Fresspäckli? Du bist die Beste, Raffi.

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Sehr geehrter Herr Blocher. Wie gewünscht überweisen wir Ihnen rückwirkend Ihr Ruhegehalt in Höhe von 2,7  Millionen Franken. Einen unbeschwerten Sommer wünscht Ihnen Ihre Bundeskanzlei.

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Kurzarbeit. Kohle knapp. Kurzurlaub Konolfingen. Kacke, Kacke, Kacke. Kurt.

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Lieber Alain, dass deine Sommerferien baden gehen, weil grad die zweite Welle auf uns zurollt, ist natürlich blöd. So mit Abstand betrachtet, hätten wir die Sache mit den Masken vielleicht doch früher aufgleisen sollen. Aber die Lage ändert sich eben ständig, alles ist im Fluss. Auch ich. Entspannte Grüsse aus der Aare, dein Daniel Koch.

Wir Glutgläubigen

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 9. Juni 2020

Beim Grillieren komme ich ins Grübeln. Ja, auch über die Frage, ob unser Fleischkonsum vertretbar ist. Was er, um es kurz zu machen, nicht ist. Wir alle wissen, dass weniger Fleisch besser wäre, und greifen dann doch zum toten Tier im Aktionsangebot, denn wie schon der Evangelist Matthäus wusste: «Das Fleisch ist billig und der Geist ist schwach.» Weiterlesen

Verschwörungspraktiker

Beitrag im «Nebelspalter» vom Juni 2020

Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien. Die hat sowieso alle die Regierung in die Welt gesetzt. Als Ablenkungsmanöver. Ich meine, Chemtrails? Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Regierung mit Flugzeugen über den Wolken Chemikalien versprühen lässt, um uns zu willenlosen Zombies zu machen? Hallo? Homöopathie am Himmel? Das funktioniert noch weniger als mit Kügeli. Das kann sich nur so ein Globulisierungsfuzzi ausgedacht haben, den der Nachrichtendienst direkt ab der Rudolf-Steiner-Schule engagiert hat.

Aber es funktioniert. Alle reden über Chemtrails, aber niemand spricht darüber, wie die Regierung wirklich Macht über unsere Gehirne erlangt: die Abstimmungscouverts! Ist Ihnen beim Zukleben, wenn Sie mit der Zunge über die Lecklasche fahren (die heisst wirklich so!), noch nie aufgefallen, dass der Leim irgendwie seltsam schmeckt? Gälled Sie, ist doch so? Da sind hochaktive psychedelische Sustanzen drin, die gehen direkt ins Hirn – darum heisst es ja auch direkte Demokratie. Neben dem Waschküchenschlüssel die zweitbeste Erfindung, um uns Schweizer zu kontrollieren. Was einmal mehr beweist, dass oben in Bern keine Verschwörungstheoretiker am Werk sind, sondern Verschwörungspraktiker, die ihr Handwerk verstehen. Eidgenössisch diplomierte Verunsicherungsagenten, Lügenschreiner mit Berufsmatura und dual gebildete Faktenspengler (die kennen sich aus mit Dichtung).

Sie glauben mir nicht? Wieso geht es denn in der Schweiz mit dem E-Voting nicht voran, he? Weil man die Computermaus zum Abstimmen nicht abschlecken muss, deshalb!

«G-g-g-g-g-orona»

Und jetzt Corona. Natürlich hat das Virus nichts mit G5 zu tun, ausser man ist ein stotternder St. Galler: «G-g-g-g-g-orona». Unfug ist auch die Theorie, das Virus sei aus einem chinesischen Hochsicherheitslabor entwichen. Es stammt nämlich eindeutig aus einer illegalen Hundemetzgerei aus dem Appenzell-Innerrhodischen. Die Beweislage ist erbrechend. Ich sag nur Gulasch, aber nicht ungarisch, sondern un-gar. Und vom Appenzell aus hat das Virus seinen Siecheszug um die Welt angetreten. Das kommt davon, wenn man auch Entwicklungsländer ans Glasfasernetz anschliesst. Meine Meinung.

Die grosse Frage ist natürlich: Wieso hat Berset nicht schon vor Jahren die Hundemetzg eigenhändig ausgehoben? Hat der Ungesundheitsminister gar ein Interesse daran, dass Corona viral geht? Nimmt er Schmiergeld von der Klopapiermafia? Eine Hand desinfiziert die andere? Da lüpft es mir glatt den Aluhut. Ganz koscher ist der Berset auf jeden Fall nicht. Oder ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass seine polierte Glatze keine Kugel ist, sondern eine Scheibe? Achten Sie auf den Schattenwurf, oder den fehlenden Schattenwurf, je nach dem. Wenn man erst einmal gewillt ist, die Wahrheit zu sehen, fällt es einem plötzlich wie Schuppen von den Echsenmenschenaugen.

Ein Volk von Verschwörungstheoretikern

Oder steckt etwas noch Grösseres hinter der Pandemie? Sind es am Ende gar die Verschwörungstheoretiker selber, die das Virus in Umlauf gebracht haben? Um uns alle zu Verschwörungstheoretikern zu machen? Welch perfide Genialität! Angst, Unsicherheit, eine tödliche, aber unsichtbare Gefahr – der ideale Nährboden, auf dem Verschwörungstheorien wild wuchern.

Und erst der Slogan «Bleiben Sie zuhause». Reinste Heimtücke im Gewand der Verantwortung und Rücksicht. Seit Wochen sind wir zuhause eingesperrt, wir haben schon mit den Wänden zu reden begonnen – und irgendwann haben die Wände geantwortet. Das ist, was die Verschwörungstheoretiker mit der Pandemie wollen: Dass wir alle so bekloppt werden wie sie. Denn wenn bekloppt das neue normal ist, dann sind sie keine Verschwörungstheoretiker mehr, sondern weitsichtige Leader, die das alles immer schon vorausgesehen haben.

Begeistert werden wir ihre Namen auf die Wahlzettel schreiben und glücklich das Couvert abschlecken und uns kein bisschen wundern über den seltsamen Geschmack in unserem Mund.

Geile Grillen

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 27. Mai 2020

Bitte bestätigen Sie vor dem Weiterlesen, dass Sie älter als 18 Jahre sind.

Jetzt stridulieren sie wieder, die Grillen im Garten. Und wenn Sie bei Stridulation an eine abartige Sexualpraktik denken, dann liegen Sie nicht völlig falsch. Stridulation ist der Fachausdruck fürs Zirpen der männlichen Grillen, also der Grilleriche, und natürlich musizieren die nicht einfach aus lauter Lust an der Freude, sondern weil sie nur eines im Kopf haben: Sex. Das Stridulieren dient dazu, Weibchen zu betören – und andere Männchen zu vertreiben, die einem die Weibchen streitig machen könnten. Weiterlesen

«Home Holidaying»

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 16. April 2020

Ach, wie schön ist Griechenland. Gerade jetzt im Frühling. Sich berauschen am süssen Duft des Hibiskus. Und erst all die Scherben der Antike, Pardon, das Erbe der Antike. Hochkultur zum Niederknien. Wir waren gerade dort, Sonne pur, niemand da ausser uns. Wunderbar. Nur das Essen war katastrophal. Gleich in unserem Hotel gab es eine kleine Taverne, also ein Tavernchen, so klein war die, eigentlich nur eine offene Küche und ein einzelner, langer Holztisch. Eine Speisekarte gab es nicht. «Ich koche für euch, was ich grad habe», sagte der Wirt. Das klang wie das Versprechen eines dionysischen Festmahles. Aber am Schluss schmeckte es, als hätte ich es gekocht. Weiterlesen

Wenn das alles vorüber ist

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 2. April 2020

Jetzt bereue ich es, keinen Hamster gekauft zu haben. Aber als alle anderen ihre Hamsterkäufe erledigten, habe ich nur den Kopf geschüttelt. Ich meine, wozu Hamster? Die Viecher taugen doch gar nicht als Notvorrat. Die muss man erst füttern, bevor man sie futtern kann. Und selbst bei kühler und trockener Lagerung halten die nicht ewig. Aber jetzt hätte ich schon schampar gerne so einen Hamster. Nicht als Sonntagsbraten, nein, um einfach wieder mal jemandem Wildfremden trotz Social Distancing herzhaft und gefahrlos die Pfote drücken zu können. Aber jetzt kriegt man Hamster nur noch schwarz im Internet, und das sind auch bloss aufgeföhnte Hausmäuse. Also Obacht. Weiterlesen