Der Duden ist Dadaist

Wie tönt eigentlich die deutsche Rechtschreibung? Es gibt nur einen Weg,
um das herauszufinden – den Duden laut vorzulesen, Seite für Seite,
Wort für Wort, von A bis Z. Gaga? Nein, Dada.

Heilige Nacht

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 20. Dezember 2016

Niemand sah den Stern; die Stadt strahlte zu hell. Kein König aus dem Morgenland machte sich auf den Weg; zu sehr waren sie damit beschäftigt, ihr Volk zu knechten. Vergebens stiegen die Engel auf die Felder hinab; sie fanden keine Hirten, die ihre frohe Botschaft hören wollten.

Aber das Kind kam auf die Welt. Seine Eltern hatten es erwartet, voller Hoffen und Bangen. Nun lag es in ihren Armen, nackt, in ein Tuch gehüllt.

Nicht der Erlöser, nicht der Retter der Welt.

Ein Mensch.

Und sie sahen den Stern. Und sie hörten die Engel. Und sie brauchten keine Könige.

In dieser heiligen Nacht.

Nichts schenken

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 9. Dezember 2016

«Ich möchte meiner Frau gerne nichts zu Weihnachten schenken. Können Sie mir da etwas Schönes empfehlen?» Einen kurzen Moment schaut mich die Verkäuferin entgeistert dann, dann schleicht sich ein verschwörerisches Lächeln in ihr Gesicht. «Ah, Sie meinen ein Negligé. Ein Hauch von Nichts. Macht nicht nur beim ersten Auspacken Freude», sagt sie und zwinkert mir zu. «Nein, nein», wehre ich verlegen ab. «Sie verstehen mich falsch. Meine Frau hat sich ausdrücklich nichts gewünscht.» Weiterlesen

 

Politische Merksätze (morgens und abends zu verinnerlichen)

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 25. November 2016

1. Wenn es dir schlecht geht, liegt das nicht an denjenigen, denen es noch schlechter geht als dir.

2. Dir ginge es gut, ginge es den anderen besser. (frei nach Mani Matter)

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Üpsilon

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 24. November 2016

Das Ypsilon ist der Rätoromane unter den Buchstaben. Beide kommen sehr, sehr selten vor. Manchmal begegnet man tagelang keinem. Im Gegensatz zum Rätoromanen geniesst das Y aber keinen Sympathiebonus und hat auch keine Lobby. Es fristet ein trostloses Leben; eingeklemmt zwischen dem X – das zwar in deutschen Texten noch seltener vorkommt als das Y, sich diesem aber trotzdem überlegen fühlt und es als «Krüppel-X» mobbt, weil es selber zwei X-Beine hat, das Y aber nur einbeinig umherstelzt, wenn auch kerzengerade – und dem Z, das immer das letzte Wort haben muss. Weiterlesen

Ich krieg die Tage

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 19. November 2016

Heute (19. November) ist der Welt-Toiletten-Tag. Kein Scheiss. Den gibt es seit 2001. Und er soll uns dreilagig-verwöhnte Wasserspüler und Popo-Föhner daran erinnern, dass es fast der Hälfte der Menschen dreckig geht, weil sie keine anständigen Klos haben. Und wenn Sie das jetzt stinkig macht und Ihnen eine Laus über die Leber kriecht – keine Sorge, morgen Sonntag ist zum Glück der Deutsche Lebertag, da können Sie das checken lassen. Damit Sie fit sind fürs Komagucken am Montag, dem Welttag des Fernsehens. Am Dienstag heisst es dann «Blockflöten raus» für den Tag der Hausmusik. Und so geht es immer weiter. Tag für Tag. Voll der Stress. Da bleibt gar keine Zeit mehr zum Tagträumen und für Tagediebereien. Weiterlesen

Kasperli for President

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 11. November 2016

So ein Trump als Präsident ist ja auch ein riesiges Erziehungsproblem. Wie soll ich meinen Kindern jetzt beibringen, dass Lügen schlecht ist? Lügen haben kurze Beine, hiess es früher, aber heute tragen sie einen direkt ins Weisse Haus.

Was mühen wir uns als teilzeitarbeitende Eltern damit ab, unseren Kleinen Gleichberechtigung vorzuleben? Sexismus siegt, und Machos regieren. Eigentlich können wir uns Erziehung sowieso sparen, denn offenbar muss man heute nicht über die moralische Stufe eines Dreijährigen hinauskommen, um zum mächtigsten Mann der Welt zu werden. Jähzorn, Trotz, Egoismus – das gilt jetzt als authentisch. Weiterlesen

Schlechte(s) Karma

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 4. Oktober 2016
Man macht ja entwürdigende Sachen, um bei der Krankenkasse Geld zu sparen. Zum Beispiel das Telmed-Modell. Bevor man zum Arzt geht, ruft man die medizinische Hotline an und lässt sich beraten. Das funktioniert prima. Solange man gesund ist. Im Krankheitsfall aber macht man sich zum Affen. «Mailen Sie uns doch bitte ein Foto Ihres Halses», beschied mir die nette Dame, als ich mich einmal wegen starken Halsschmerzen meldete. «Von aussen?», fragte ich (zugegeben, ich bin an Telefon manchmal etwas begriffsstutzig). «Von innen», antwortete sie. «Mit dem Handy geht das ganz gut.» Weiterlesen

Den Trump zum Gärtner machen

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 19. September 2016

Vierzig Quadratmeter, zwölf Frauen und ich – nein, das ist nicht eine versaute Kreuzung aus dem «Bachelor» und «Big Brother», sondern der Gemeinschaftsgarten in unserem Quartier. Natürlich kann das nicht gut gehen. Zwar stimmt die Chemie zwischen uns, aber Chemie stimmt für uns nicht, darum verzichten wir darauf. Auch auf Schneckenkörner. Weiterlesen

Erlöse uns von den Bösen

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 30. August 2016

Herr, das Schwingfest war sehr gross, und am Schluss legte einer einen anderen ins Sägemehl, und der Sieger trug den Muni auf den Schultern nach Hause, so stark ist der.

Aber nun lass es gut sein. Erlöse uns von den Bösen – zumindest für die nächsten drei Jahre. Wische uns das Sägemehl aus dem Gesicht, damit wir wieder den Balken im Auge der Welt sehen und nicht nur unseren Nabel.

Hab Nachsicht mit uns, wenn wir zwischendurch Masse mit Bedeutsamkeit verwechseln und Muskelkraft mit Männlichkeit. Oder glauben, Identität sei so einfach gestrickt wie ein Edelweisshemd.

Mit journalistischer Hartnäckigkeit haben wir uns über die Naht der Schwingerhose gebeugt. Nun gib uns die Kraft, wieder auf Distanz zu gehen zu den Dingen. Weil man dann so manches klarer sieht.

Aber erstick nicht das ganze Schwingfeuer in uns, sondern gib uns die Grösse, fürs Eidgenössische Frauen- und Meitlischwingfest gleich viel Begeisterung an den Tag zu legen wie für Estavayer. Und vergib uns unsere Schuld, wenn wir nicht wissen, wann und wo die Schwingerinnen antreten oder wie die amtierende Schwingerkönigin heisst.

Und führe uns nicht in Versuchung, eine Homestory über den Muni zu machen.
Amen.