Ein bescheidener Vorschlag zur Rettung der AHV

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 4. Oktober 2017

Nach dem Scheitern der AHV-Reform muss die Wahrheit jetzt einfach mal auf den Tisch, meine Damen und Herren, auch wenn sie unpopulär ist: Langfristig lässt sich die AHV nur retten, wenn wir alle wieder früher sterben. Weiterlesen

Pilzsaison

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 2. Oktober 2017

«Es ist Herbst», trompeten die Bovisten durch den Wald, dass dem Täubling die Judasohren wackeln. Tief im dunklen Tann, wo der Satanspilz und der Hexenröhrling um Mitternacht ihre Knollen blättern, stapft der Fransige Wulstling durchs Unterholz, um seine schändliche Lust zu stillen an einem unschuldigen Scheidenstreifling oder einer Weissen Trüffel. Doch die alte Stinkmorchel findet nur einen Grünstieligen Zärtling. «Gut, dass ich ein Stäubender Zwitterling bin, ich Glückspilz», denkt der wüste Wulstling. «Oh, du Büscheliges Hängeröhrchen, oh du Braunes Pustelkeulchen, oh du mein Leuchtender Prachtbecherling», säuselt er und macht ganz poetisch einen auf Schillerporling, «oh, du mein Muscheling – willst du mal meinen Wolligen Milchling sehen?» Weiterlesen

01001001 01100011 01101000

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 30. September 2017

Vor kurzem wurde ich 40. Darum lasse ich mich jetzt umschulen. Damit ich auch die verbleibenden 35 Jahre bis zur Pension noch fit bleibe für den Arbeitssklavenmarkt. Ich lerne jetzt Roboter. Mit Diplomabschluss. Man muss eben mit der Zeit gehen. Es heisst ja immer, die Roboter würden künftig die Hälfte unserer Jobs wegnehmen. Dagegen kann man wohl nichts machen – aber man kann auf der richtigen Seite stehen. Deshalb werde ich jetzt eben Roboter. Und ich hab Talent. Weiterlesen

Unverklärte Vergangenheit

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 13. September 2017

Ich möchte ja nicht pauschalisieren, aber ich glaub schon, dass früher alles schlechter war, unter dem Strich. Einmal barfuss auf einen rostigen Nagel getreten – zack, Blutvergiftung und Exitus. Überhaupt brachte einen früher alles gleich ins Grab: Lungenentzündung, eine komplizierte Geburt, Kuchenteig aus der Schüssel naschen (oder war das Fake News meiner Eltern?). Man arbeitete 60 Stunden die Woche, fast die Hälfte des Einkommens ging fürs Essen drauf, und die meisten starben, bevor sie ins AHV-Alter kamen – und das war auch gut so, denn die AHV gab es früher noch gar nicht. Und die katholische Kirche konnte mit ihrer Barmherzigkeit ganz schön grausam sein.

Nein, früher war es nicht besser. Früher war alles schlechter. Weiterlesen

Streitkultur

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 30. August 2017


«Vielleicht», sage ich und beisse in mein Gipfeli, «vielleicht müssen wir die Erziehung unserer Kinder nochmals überdenken.»

«Unbedingt», sagt meine Frau und schlürft ihren Kaffee. «Was ist heute der Grund?»

«Weil der Klügere immer nachgibt, sind so viele Dumme an der Macht. Habe ich neulich gelesen. Marie von Ebner-Eschenbach hat das so ähnlich gesagt.» «Und jetzt?», will meine Frau wissen.

«Jetzt müssen wir unsere Kinder das Streiten lehren.»

«Die können das schon», sagt meine Frau und zeigt auf die Kleinen, die sich in den Haaren liegen, wer das letzte Volg-Märkli einkleben darf. Weiterlesen

Monster im Lavendel

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 11. August 2017

Seit kurzem wohnen wir auf dem Land, wo, wie mir scheint, eine Kultur der zivilisierten Barbarei herrscht. Da sprengen am 1. August ein paar Knallköpfe den Schulhausbriefkasten in die Luft, kleben dann aber reumütig ein schriftliches Mea culpa in das Loch in der Wand: «Es tut uns leid. Wir haben den Briefkasten aus Versehen gesprengt. Wir melden uns beim Abwart und der Gemeinde. Es tut uns wirklich leid.» Höfliche Vandalen, gesittete Barbaren, das gibt’s nur hier. Und überhaupt: Schuld und Sühne, Leben und Tod, Fressen und Gefressenwerden – alles liegt auf dem Land irgendwie näher beieinander als in der Agglo. Weiterlesen

Gedanken-Gassi

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 22. Juli 2017

Wie kommen Sie auf neue Ideen? Also ich gehe mit meinen Gedanken Gassi. Die brauchen auch Auslauf zwischendurch. Dann lass ich sie von der Leine, damit sie sich so richtig austoben können. Ein verspielter Haufen, meine Gedanken. Nichts als Flausen im Kopf. Wehe, wenn sie losgelassen. Erst balgen sie wild miteinander. Urplötzlich lassen sie dann voneinander ab, nehmen Witterung auf und jagen pfeilschnell fremden Gerüchen und wilden Gerüchten hinterher. Dabei scheuchen sie Ideen auf, die hakenschlagend das Weite suchen, und erschrecken mit ihrem Gekläffe Einfälle, die vorbeiflanieren und nichts Böses ahnen. Weiterlesen

Einschlaf-Rituale

«Übrigens» in den Freiburger Nachrichten vom 28. Juni 2017

Das Monster unter dem Bett ist das kleinste Problem. Wie jeder weiss, hilft dagegen nur eines: ein kräftiger Pups in die Matratze. Ausser natürlich, es handle sich um ein Exemplar der Sorte Flatulenza impertinenta – dann geht der Schuss nach hinten los, und zwar gewaltig. Aber derartige Schreckgestalten sind relativ selten in westeuropäischen Kinderzimmern. «Furz mal kräftig», fordere ich daher meinen Sohn auf. Mit einer diebischen Freude donnert er fröhliche Böllerschüsse in die Matratze, Bohnensalat zum Znacht sei Dank. Und es funktioniert: Unter wüsten Flüchen löst sich das Monster in Luft auf. Doppelt erleichtert kuschelt sich der Kleine in seine Decke. Weiterlesen

Reality-Brille selber basteln

Virtual-Reality-Brillen kennen wir alle. Die lassen sich auch ganz einfach selber basteln – mit Wellkarton und Smartphone.

Viel dringender allerdings bräuchten wir Reality-Brillen. Finde ich. Die lassen sich auch ganz einfach selber basteln – mit Wellkarton und Smartphone.

So gehts:
1. Vorlage auf Wellkarton übertragen, ausschneiden, Gummibänder anbringen.
2. Brille anziehen.
3. Ganz wichtig ist die korrekte Montage des Smartphones. Das gehört in die linke Gesässtasche. Oder die Handtasche. Am besten ausgeschaltet.
4. Und jetzt: Genau hinschauen. Scharf nachdenken. Dann klappts auch mit der Realität.

       

Habe Schaf – suche Seckel

«Übrigens» in den «Freiburger Nachrichten» vom 14. Juni 2017

Kleinanzeigen sind grosses Kino. Drama, Action, Gefühle – alles drin in zwei, drei Zeilen. Vor einiger Zeit stand zum Beispiel in der «Friburgera» folgende Annonce. Ungelogen. «Suche eine ältere Gans und Kabishobel.» Ein Satz – und schon krieg ich Gänsehaut. Hitchcock hätte das nicht besser hingekriegt. Was geht da ab? Sucht ein perverser Psychokiller sein neustes Opfer – per Kleinanzeige? Und welche Gans ist doof genug, sich darauf zu melden? Oder versucht sich da jemand in der Herstellung von Gänsecarpaccio? Weiterlesen